Honig verkaufen

ganz einfach oder unglaublich kompliziert?

Der Honig ist geerntet, er wurde gerührt, er kann ins Glas,

dann kommt ein Deckel drauf und man kann ihn verkaufen oder verschenken.

 

So einfach ist das - dachte ich zumindest.

 

Als ich den allerersten Eimer voll Honig in der Speisekammer stehen hatte war ich erstmal stolz wie Bolle. Dann kam der Gedanke: Was macht man mit 20kg Honig?

Den essen wir wohl kaum auf - bis zum nächsten Frühling.

Also verschenken an Freunde, Familie, Kollegen - dann war immernoch was da.

Man könnte den auch verkaufen...

 

Wenn man anfängt, über den Verkauf von Honig zu lesen, bekommt man schnell den Eindruck, schon mit einem Bein im Gefängnis zu stehen.

Wo man vorher nur ein Glas mit Honig gesehen hat kommen auf einmal die Honigverordnung, das Eichgesetz, die Verpackungsverordnung, das Gewerbeaufsichtsamt und womöglich das Finanzamt ins Spiel?

Wenn man die Imkerei gewerblich betreibt - ja. Aber dann muss man sich sowieso anders mit dem Thema auseinander setzen.

 

Wir gehen hier mal davon aus, dass es sich um eine Hobbyimkerei handelt:

 

Die gilt aus Sicht des Finanzamtes als "Liebhaberei". Sie wird also aus Spaß betrieben und soll keinen Gewinn abwerfen. ( Und wenn man mal ehrlich gegenrechnet, was man so über das Jahr investiert in Gläser, Etiketten, neue Waben, Beuten, Futter, Behandlungsmittel usw. haben sie leider Recht damit. Zumindest in den ersten Jahren.)

 

Seit 2015 ist die Verwendung einer geeichten Waage bei der Abfüllung Pflicht für alle Imker, die ihren Honig verkaufen.

 

Man braucht keinen extra Schleuderraum.

Es sollte natürlich schon ein Raum sein, der sauber ist. Und bienendicht verschlossen werden kann. Zum Beispiel die Küche.

 

DIB Gläser und Etiketten dürfen nur als "Komplettset" verwendet werden.

Das heißt, wer DIB Gläser verwendet braucht auch DIB Etiketten und Deckel.

Die darf nur verwenden, wer einen Honiglehrgang absolviert hat.

Das Etikett muss bestellt werden und entspricht dann allen Anforderungen von Herkunftsbezeichnung bis Schriftgröße.

Typisch deutsch liegen die Qualitätsanforderungen des Deutschen Imkerbundes über dem was die EU und die Honigverordnung fordern.

 

Wer keinen Honiglehrgang besucht hat oder wem die Einheitsetiketten unsympathisch sind verwendet Neutralgläser und ein persönliches Etikett.

 

Auf das Etikett muss drauf:

 

Herkunftsbezeichnung: deutscher Honig

( die Bezeichnung "echter deutscher Honig" darf nur der DIB verwenden)

 

Sorte: z.B. Frühjahrstracht, Sommertracht, Rapsblüte

 

Mengenangabe: z.B. 500g

 

Name und Adresse des Abfüllers: z.B. deine eigene

 

Haltbarkeitsdatum: deklariert wird mit dem Wortlaut "mindestens haltbar bis" und angegeben wird üblicherweise ein Datum das in zwei Jahren ab Verkaufsdatum liegt . ( siehe Honigverordnung)

 

Sollte irgendetwas davon fehlen gilt der Honig als nicht verkehrsfähig und darf nicht verkauft werden. Wohlgemerkt bisher geht es nur um die Auszeichnung nicht um die eigentliche Qualität von dem, was im Glas drin ist.

 

Bei den meisten Kunden gilt. Kein Etikett ist auch ein Etikett.

Wir denken kurz an Omas Eierlikör. Da stand nie was drauf. Der ist einfach der beste.

Aber: Würdest du eine Flasche Bier ohne Schild kaufen?

 

Die Mühe, ein Etikett auszusuchen zu bestellen und zu kleben lohnt sich außderdem langfristig. Viele Kunden verschenken weiter. Wem der Honig geschmeckt hat möchte vielleicht selbst Kunde werden. Da ist es doch praktisch, wenn deine Adresse draufsteht.

(Und es poliert das eigene Ego. Es ist so cool, wenn die eigene Adresse auf einem gedruckten Honigetikett steht.)

 

Preiswert oder billig?

Wer bis hierher gekommen ist, weiß wieviel Arbeit und Herzblut in einem Glas Honig steckt.

Jetzt kommt die Frage, was soll es kosten?

Natürlich hat man so manche Stunde damit verbracht alles verkaufsfertig herzurichten. Man weiß jetzt, dass es nicht nur ein Glas Honig ist. Nein man braucht auch einen Deckel und ein Etikett. Das alles hat seinen Preis im Einkauf.

Allerdings ist der Lagerraum daheim begrenzt und man will nicht auf seinem Honig sitzen bleiben.

 

Daher an dieser Stelle im Namen aller Hobbyimker die Bitte, den Honig nicht zu verramschen.

Ein Preis von mindestens 3,60 Euro ist OK.

Wer billiger verkauft erweckt den Eindruck von geringerer Qualität.

Und mit den Preisen im discounter können und wollen wir doch gar nicht konkurrieren, oder?

Ich mach mir die Arbeit gern - für Leute, die sie zu schätzen wissen.

Und die zahlen gern einen höheren Preis für Honig aus der Nachbarschaft.Denn die Qualität spricht für sich. Da kann ein Honig aus EG und Nicht EG Ländern für 2,50 Euro nicht mithalten. Echt.